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Psychotechnik und Radiophonie

Subjektkonstruktionen in artifiziellen Wirklichkeiten 1918-1932

Wilhelm Fink Verlag 2001
35,80 EU  ISBN 3-7705-3624-X

Klappentext:

Im Zuge der Rationalisierungsprogramme der 1920er Jahre etabliert sich die Psychotechnik. Ihre Eignungstests informieren über die psychischen Eigenschaften von Individuen, indem sie sie auf ihre durchschnittliche Verteilung in Gruppen sowie auf funktionale Anforderungen beziehen. Zeitgleich wird mit der Einführung des Radios das simultane Erleben eines räumlich verstreuten Publikums zu einer neuen Facette sozialer Wirklichkeit, die durch dramaturgische und technische Mittel gestaltbar ist.
In der Psychotechnik wie in der Radioverwendung geht es nicht einfach um Auffassungen von Subjektivität, sondern um Subjektkonstruktionen, die ohne die entsprechenden Instrumente gar nicht zu haben sind. Schrage untersucht Psychotechnik und Radiophonie als Verfahren, welche die tradierte Grenze zwischen Innen- und Außenwelt unterlaufen und neuartige, instrumentell-regulative Subjektivierungsweisen etablieren. Damit zeichnet er die Konturen einer sozialtechnischen Moderne nach und trägt zugleich bei zur Genealogie unserer verdateten und medialen Gegenwart.

Der erste Teil der Einleitung kann auf der Homepage des philosophischen Arbeitskreises MoMo eingesehen werden.

Inhaltsverzeichnis:

EINLEITUNG     7
1. Fragestellung und Methode     7
2. Subjekt, Disziplin, Normalisierung – Vorgeschichte und Vorarbeiten   17
   a. Die Formierung autonomer Subjektivität   17
   b. Die Herstellung des Individuums: Interessen und Disziplin   20
   c. Die epistemische Figur ‘Mensch’   24
   d. Das regulative Zwischenreich der Normalisierung   26
   e. Zum Aufbau   34
I. PSYCHOTECHNISCHE NORMALISIERUNG   39
1. Der humanwissenschaftliche Gegenstand Psyche   39
   a. Differenz zur Philosophie   39
   b. Differenz zur Physiologie   41
   c. Psychophysik   44
   d. Bewußtseinspsychologie   46
   e. Zusammenfassung   51
2. Zwischenreich Psyche   53
   a. Psychisches abseits des Bewußtseins   54
   b. Die Massenpsyche als politischer Akteur   58
   c. Nervosität als “historische Psychose”   62
   d. Zusammenfassung   65
3. Die Formierung angewandter Psychologie   69
   a. ‘Differentielle Psychologie’ vs. ‘generelle Psychologie’   70
   b. Materialitäten der Psyche   75
   c. Organisation als Problem   79
   d. Zusammenfassung   88
4. Psychologie im Ersten Weltkrieg   91
   a. Psychiatrie vs. angewandte Psychologie   91
   b. “Lokalisierte Verletzung der Seele” – Die Nervenstation für Kopfschüsse   94
   c. “Das Bewußtsein auf seine Schäden ableuchten” – Walther Moede   97
   d. “Kreuzungspunkt der Schicksale” – Berufsberatung der Kriegsbeschädigten 101
   e. Zusammenfassung 106
5. Psychotechnische Normalisierung 109
   a. Programmatik 112
   b. Die psychotechnische Subjektkonstruktion 130
   c. Zusammenfassung 151
ZWISCHENBETRACHTUNG: SITUATIVITÄT ALS NEUES PROBLEM 153
   a. Résumé 154
   b. Grenzen psychotechnischer Normalisierung: Ganzheit und Situation 158
   c. Erleben in gesellschaftlicher Reichweite: Das Radio 167
II. RADIOPHONES ERLEBEN 175
1. Die telefonische Erweiterung des Erfahrungsraums 175
   a. Die Plausibilität des Fernsprechens 177
   b. Die Physiologie des Hörens 179
   c. Die Technologie des Fernsprechers 190
   d. Popularisierung des Fernsprechens 195
   e. Zusammenfassung 198
2. Zwischenreich Äther 203
   a. Die unsichtbare Materialitätsdimension der Hertzschen Wellen 204
   b. Die Emanzipation von der Leitung 208
   c. Die Sendung von Klängen 211
   d. Rundfunk und Massenkultur 214
   e. Zusammenfassung 218
3. Der akustische Raum 221
   a. Hörspielästhetische Experimente 224
   b. Arbeitsteilige Hörspielpraxis 242
   c. ‘Der Hörer’ als Problem 256
   d. Zusammenfassung 264
4. Radiophone Subjektkonstruktionen 267
   a. Radio als ‘halbe soziale Beziehung’ – Leopold von Wiese 267
   b. Radiophone Verschmelzung – Hermann Pongs 274
   c. ‘Aufstand der Hörer’ – Bertolt Brechts ‘Radiotheorie’ 281
   d. Radiophone Verschaltung – Richard Kolb 288
   e. Zusammenfassung 297
III. NORMALISIERUNGSRAUM UND AKUSTISCHER RAUM 299
1. Die quantitative Erschließung des ‘Anonymus Publikum’ 299
   a. Lazarsfeld-Stil und Lazarsfeld-Methode 302
   b. Die RAVAG-Studie von 1932 306
   c. Der ‘Lazarsfeld-Stanton Program Analyzer’ 309
   d. Zusammenfassung 313
2. Test und Radioöffentlichkeit als konstruierte Wirklichkeiten 315
   a. ‘Karussell der Berufe’ 316
   b. ‘Zweierlei Volkstümlichkeit’ 391
   3. Selbstverhältnisse in artifiziellen Wirklichkeiten – ein Ausblick 323
LITERATUR 337
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 361